Der lange Weg zur Kunst.

 

Es war ein Tag wie jeder andere , das Wetter war wie jedes andere und die Umstände die diesen Tag voraus gingen waren auch nichts besonderes.

Oder vielleicht doch, schließlich sind wir doch alle etwas besonderes, was natürlich zu dem Schluss führt das niemand etwas besonderes ist.

Der Ort des Geschehens , ein Gemälde von Paul Rotterdam , mit sehr viel Grauanteil, gemischt mit etwas Ruß aus den Kohlekraftwerken des Arbeiter und Bauernstaates.

Der Name des Ortes, Hohenmölsen, oder wie die Ureinwohner sagen würden, Mälsen.

Plattenbauten eine minimalistische Glanzleistung, des realexestierenden Sozialismus waren das vorherrschende Stadtbild in meinen Geburtsort .

So sah der Tag meiner unfreiwilligen Landung auf dem Planeten Erde aus.

Ich wurde in die Welt gepresst und eine Rückkehr war unmöglich.

Allerdings konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich wissen, was mich hier im Ameisenhaufen der Blubberblasenblümchenundschrebergartenbewohner erwartet.

Ansonsten hätte ich wahrscheinlich die Verpressung in die neue Welt entschieden verneint, oder mir im Mutterleib zum ersten Mal in die imaginäre Hose geschissen.

Nun ja, wenn ich nun schon einmal mit meiner Anwesenheit glänzen konnte, würde ich die Zeit auch nutzen, die mir gegeben wurde.

Mit Geplärr ,wohlriechenden Hinterlassenschaften und einer umfangreichen Leibesfülle.

Meine Eltern eher als planlos einzustufen, wußten im ersten Moment wahrscheinlich nicht was sie mit dem Produkt ihrer Triebe anfangen sollten, aber wie das so ist, man gewöhnt sich an alles.

Meine Mutter, die mich neun Monate mit sich herum geschleppt hatte und nun vor dem enormen Produkt ihrer eigenen Gebärlichkeit stand, das sich erdreistet hatte, die schöne Frau in einen unförmigen Marschmello zu verwandeln.

Meinen Vater, eher desinteressiert und abgelenkt, durch Stones und Beatles, hat mich wohl eher als störenden Realismus wahrgenommen.

Der ihn aus seinen Träumen riss und ihn dazu zwang eine feste Bindung einzugehen.

Er war Schlagzeuger in einer Band und hatte lange Haare, was ausreichte, das die angepasste Sozialismusbrühe ihn als Fremdkörper abstieß.

Ich glaube die treibende Kraft hinter der unfreiwilligen Fusion meiner Eltern, war meine Oma.

Die ersten sieben Jahre meines Lebens verbrachten wir in Quaisau, ein kleines Dorf in den Tiefen der Sachsenanhaltinischen Taiga.

Es war ein Leben zwischen dem Tagebau und LPG Genossenschaften.

Wir hatten eine etwas feuchtgeratene Wohnung, und dem Sozialismus sei Dank, ein Blumsklo in der Mitte des Hofes für alle Mieter.

Wenn ich im dunkeln auf das Klo gegangen bin, habe ich immer daran gedacht, wie das ganze aus dem Blickwinkel einer nach oben schauenden Ratte ausschauen mag.

Vielleicht hat das ja meine Sichtweise auf die Welt von heute entscheidend geprägt.

 

tOmMyYyy y Kny - petzold