Der Alk 2014

tOmMyYyy y Kny - petzold
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Der Alk, ist eines von sehr vielen Lebewesen in unserem erdachten Dreibran.

Er hat keine Flügel. Wie er es schafft über sich selbst hinaus zu wachsen, ist nicht bekannt. 

Es ist ein Geheimnis der evolutionären in Dunst gehüllten Dynamik, die erzwingt was unbequem  ist.

Das Gefieder ist etwas abstrakt, federlose Konturen. Im Augenblick federführend, meint er, ihm liegt die Welt zu Füßen. Deshalb ist Arroganz eine seiner hervorstechendsten nach außen gespiegelten Eigenschaften, mit dem inflationären Anspruch, sich die Meute vom Hals zu halten.

Als geselliges Lebewesen ist er von daher nicht bekannt. Die anderen Alks sind für ihn eher überflüssiges Beiwerk, bis auf ein paar Auserwählte, die er im verschleierten Licht der untergehenden Abendsonne seiner Daseinsblase auf einen Sockel hebt.

Es scheint fast so, dass die Dynamik des Auftriebs nicht aus seinen verkümmerten Flügeln kommt, sondern aus seiner Leidenschaft für das Leben.

Ein Leben, das aus ständig wiederkehrenden sich überschneidenden Kreisen besteht.

Immer wiederkehrende Kreise um die Sonne, um das Zentrum der Raumzeitverzerrung des Planeten auf dem er lebt, die Geburt führt zum Tod, alle Wege die eingeschlagen werden können, führen ihn wieder zum Ausgangspunkt seiner lächerlichen Ausbruchsversuche zurück, aber  vor allem kreist er um sich selbst, wie ein Mond mit Mond, der einen Mond hat.

Wenn er seine Kreise am Himmel zieht, vergisst er die banale Welt um sich herum und verliert sich im Höhenrausch der Stratosphäre seiner Gedanken.

Zum Glück kann ihm das Hirn nicht einfrieren, denn der Alk ist ein ausgemachter Säufer mit dem Anspruch auf mehr von allem. Alkohol ist ein sehr gutes Frostschutzmittel.

Das Privileg eines besoffenen Alks, ist die potenzierte Abstraktion aller ihn umgebenden Einflüsse.

Er will alles wissen, alles können, alles sehen, alles ficken was sich bewegt, mit einem eigenen Raumschiff ins All aufbrechen, um zu sehen was für Wesen noch an Selbstüberschätzung leiden, ewig Leben und vor allem verstehen, um was sich das Kreiseln aller Dinge und Wesen dreht.

Denn das alles wieder zum Ausgangspunkt zurück führt, kann und will er einfach nicht akzeptieren.

Die Artgenossen die ihn in ihrem Umfeld wahrnehmen, meinen das er eine Richtung hat, einen Weg, eine Gerade nach vorn beschreitet, ohne Kompromisse den Weg geht, den er gehen will.

Leider ist das beschrittene  Rund nur ein wenig unübersichtlicher, so das der Ausschnitt des Kreises wie eine Gerade wirkt, aber keine ist.

Man bekommt den Alk nicht so oft zu Gesicht. Da er aber in allererster Linie im Nebel der Projektionen seines Ichs  unterwegs ist, bekommt man ihn, wenn man ihn tatsächlich einmal zu Gesicht bekommt, eher selten ungeschminkt vor die Linse . 

Er versteckt und verirrt sich sehr oft im Unterholz seiner Gedanken, die immer verzweigter werden, ihn oft daran hindern, in normalen Kontakt zu Artgenossen zu treten.

Der Alk ist deshalb zum Glück vom Aussterben bedroht.

Nicht, weil er mit seiner überragenden Potenz alle weiblichen Alks beeindrucken will, sondern weil ihm die Banalitäten der Kontaktaufnahme zuwider sind und er nicht anders kann, als zu verstummen, wenn unwichtiges  inhomogenes Geplapper zu Gesprächen stilisiert wird.

Dass er eigentlich nicht fliegen kann, macht ihm scheinbar nichts aus, denn er trotzt der Schwerkraft mit reiner Willenskraft, wie die fiktiven fliegenden Schweine, die im Schweinestall der Evolution den Sprung nicht geschafft haben.

Den Sprung ins Unbekannte, den Sprung zu Mehr, den großen Sprung in Richtung absoluter Erkenntnis.

Auch wenn ihn rudimentäre  Artgenossen dafür belächeln, so hält er über alle Hindernisse hinweg fest an seinem fast perfekten Kreis.

 

 

(1,30m x 1,30 cm, Buntstift, Feinliner)


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